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Der Notruf

By 21. Oktober 2016 Allgemein
Der Notruf

… der Tag des Abschieds nahte und an einem heißen Junitag fand die Übergabe des letzten Kätzchens statt. Die Nachbarin war auch dabei, als eine ehemalige Schulkollegin die Katze abholte. Ich sah Kathrin mit ihrer Tochter schon vom Küchenfenster kommen und bemerkte, dass sie mit einem Hund sprach. Ich schickte Max zur Türe um sie herein zu bitten. Vorerst hörte ich nur Schreie: „????, ein fremder Hund läuft gerade, …“ Max sah nach, rannte wie vom Blitz getroffen bei der Türe herein und brüllte: „Maaaaammmmmmmaaa! Hilfe! Da liegt ein alter Mann vor unserer Türe.“ Berufsbedingt wusste ich zwar sofort, was jetzt zu tun war, trotzdem war ich im ersten Moment überfordert. Einige Autofahrer blieben stehen und sammelten sich zu einer Traube. Sie waren starr vor Schreck und standen wie gelähmt vor unserem Zaun. Als ich mich zu dem Mann hinunter beugte, war er noch kurz bei Bewusstsein, bevor sich sein Zustand rapide verschlechterte und sich seine Haut blau verfärbte und die Atmung aussetzte. Nach einem kurzen Kreislaufcheck deutete alles auf einen Atem-Stillstand hin. Zeitgleich rief Max die Rettung an. Keiner der anwesenden erwachsenen Männer war in der Lage die Rettung zu rufen. Max reagiert in solchen Fällen deshalb so rasch, da er Situationen blitzschnell strategisch entschlüsseln kann. Deshalb wusste er auch hier genau, was zu tun war. Er wählte den Notruf und versorgte bis zum Eintreffen der Rettung die Leitstelle laufend mit Informationen. So gab er weiter: „Der Patient ist zyanotisch“, „Er hat Schnappatmung“, „Meine Mama kontrolliert gerade die Atmung“, „Sie beginnt jetzt mit der Reanimation“. Max war in der Situation so selbstbewusst, während ich ohne Hilfsmittel versuchte, den Mann wiederzubeleben. Ich weiß nicht, wie lange es dauerte, bis die Rettung eintraf und hatte wahnsinnige Angst, etwas falsch zu machen. Aber wir haben es geschafft! Ich wollte nie in eine solche Situation kommen. Ich war mit meinen Nerven völlig am Ende. Als die Rettung den Patienten übernahm und wir gemeinsam mit meiner Nachbarin und meiner Schulkollegin ins Haus gingen und darüber zu sprechen begannen, wurde mir nach und nach bewusst, was eigentlich gerade passiert war …