Ändern des Blickwinkels

Ändern des Blickwinkels

By Allgemein

… leider gibt es dieses Bauunternehmen nicht, sonst würde ich es heute selbst gerne in Anspruch nehmen. Max kam heute aus der Schule nach Hause und weinte bitterlich. Bis ich von ihm eine Antwort bekam, dauerte es Minuten, die mir wie Stunden vorkamen. Max weinte oft, aber eben schon lange nicht mehr so intensiv wie heute. Das erinnert mich an die vergangenen zwei Schuljahre, in denen Max von anderen Schülern richtig gemobbt wurde.
Schlimm an der Geschichte ist, dass ich die Kinder, die Max sekkierten, teilweise sogar verstehe, da ich als Kind nicht anders war.
Ich fühlte mich stark, wenn ich Marc und Pauli in der Unterstufe ärgern konnte. Es war förmlich eine Genugtuung, diese beiden „seltsamen“ Buben zum Weinen zu bringen.
Heute sehe ich das natürlich mit anderen Augen und aus einem ganz anderen Blickwinkel als damals. Erstens wusste ich damals nicht, was ich getan und damit den beiden Burschen antat. Zweitens wusste meine Mutter nicht Bescheid und konnte daher auch nicht, so wie ich heute, intervenieren.
Ich habe das sehr geschickt gemacht und die LehrerInnen haben mich als brave Schülerin wahrgenommen. Die Bestätigung erhielt ich auch bei unserem Klassentreffen vor rund einem Jahr. Ich habe immer einen positiven Eindruck hinterlassen. Marc erschien erst gar nicht zum Klassentreffen und Pauli ist mir auf immer böse, was ich ihm auch nicht verübeln kann. Nachdem ich Pauli vor einem Jahr als erwachsenen Mann beim Klassentreffen wiedergesehen habe, bin ich mir 100-%ig sicher, dass er auch ein Asperger-Autist ist. Er hat sich tapfer durch die Schule gequält, wie er selbst dazu sagt und seinen Weg gemacht. Wenn ich mich richtig erinnere, dann sagte er, dass er heute als „Oberförster“ arbeite.
Obwohl es für eine Entschuldigung zu spät war, denn die Gemeinheiten saßen und sitzen noch immer tief, freue ich mich sehr für Pauli, dass er sein Leben so gut meistert…

Baustellenservice

Baustellenservice

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… mir ist es bereits mehrmals gelungen, das Ruder noch rechtzeitig herumzureißen und Eltern – meist Mütter – aus Simons Klasse, zum Nachdenken anzuregen. Die Beispiele von Max und Felix zeigen, wie leicht man von anderen in eine Schublade gesteckt wird. Wer das einmal selbst erlebt hat, wünscht das niemand anderem. Ich würde mir selbst etwas vormachen, wenn ich behaupten würde, dass mir das immer gelingt. Mit der Routine und dem Umgang mit immer wieder neuen Herausforderungen habe ich gelernt, anders damit umzugehen. Ich versuche auch, dass meine Kinder ein offenes Herz für andere Menschen bekommen.

Nach kurzer Anteilnahme und Bemitleidung durch Freunde und Bekannte, steht man schnell wieder alleine vor dem Scherbenhaufen.

Ich würde mir wünschen, dass ich für andere vom Asperger-Autismus betroffene Eltern ein kleines Bauunternehmen gründen kann, um sie dabei zu unterstützen, ihre Baustellen zu koordinieren. Aber ich weiß nicht, ob mir das gelingt …

Aufziehende Gewitterwolken…

Der kleine Bruder

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… hinter die Kulissen blicke ich zum Beispiel in Simons Klasse. Max Bruder Simon, der ganz „normal“ zu sein scheint, hat in seiner Klasse ein Kind, das ähnliche Schwierigkeiten wie Max hat. Simon selbst hat behauptet, dass dieser Junge, sein Name ist Felix,, auch ein Asperger-Autist sein könnte. Auf der einen Seite hörte ich ihm natürlich aufmerksam zu und erklärte ihm anschließend aber, dass ihm diese Beurteilung nicht zustünde und er das nicht so einfach behaupten darf, da es andere verstören oder erschrecken könnte. Auf der anderen Seite muss ich Simon wiederum in Schutz nehmen, da er etliche Autisten kennt und durch Max bereits viel mit-erlebt hat, was das Spektrum an Abweichungen zur Normalität betrifft. Simon hat keine Berührungsängste und durch Max Kontakt zu vielen Autisten. Er macht das auch sehr gut und unterstützt diese betroffenen Kinder sehr und hat nicht nur durch seinen Bruder Max gelernt, dass er auch einmal zurücksteckt. Simon hat keinerlei Berührungsängste und ist im Umgang mit seinem Bruder Max und anderen betroffenen beziehungsweise autistischen Kindern sehr feinfühlig und rücksichtsvoll. Er hat gelernt, dass es in manchen Situationen besser ist, einfach einmal zurückzustecken. Und genauso feinfühlig verhält er sich auch in seiner Klasse und hat durch seine Erfahrung schnell erkannt, dass Felix Hilfe benötigt.

Felix und Simon besuchen die 4. Klasse Volksschule. Mit einem Lehrerwechsel zu Schulbeginn wurden die Schwierigkeiten für Felix immer schlimmer. Felix ist ein sehr intelligentes Kind. Veränderungen bedeuten für ihn eine große Herausforderung. Und eine neue Lehrerin bedeutet natürlich Veränderung. Aber nicht nur, dass die neue Lehrerin den Unterricht anders gestaltet, kommen in dieser Klasse erstmals Schularbeiten und Noten im Zeugnis. Viele Veränderungen, große Herausforderungen …

Wer dieses Ausmaß nicht erkennt, und sich nicht die Mühe macht hinter besagte Kulissen zu blicken, beschwert sich schnell einmal über das „schlimme Kind“, das impulsiv ist und unerklärte Wutausbrüche hat. Ich habe in letzter Zeit öfters mitbekommen, dass sich Eltern über Felix beklagen. Das kommt mir natürlich sehr bekannt vor. Felix kommt aus einer intakten Familie und hat sehr liebe und bemühte Eltern. Trotzdem braucht er genauso wie Max Unterstützung. Unterstützung, die er jetzt noch nicht erhält. Aber hoffentlich bald!

Ich werde hellhörig und gebe ungefragt meinen Senf dazu, sobald ich mitbekomme, dass sich Eltern über Felix beschweren und schlecht über ihn sprechen. Hier gelingt mir das sehr leicht, da Simon in seiner Klasse sehr beliebt ist und viele Freunde hat. Die wenigsten können sich vorstellen, dass die Probleme mit seinem Bruder Max genau die selben sind wie die mit Felix.

Ein Blick hinter die Kulissen

Ein Blick hinter die Kulissen

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Wir haben bei der letzten Eskalation wegen des Handys leider noch immer nicht die Talsohle erreicht. Täglich kommen weiter brisante Details dazu und es werden immer mehr Kinder und Eltern, die sich über Max beschweren.
Natürlich habe ich schon vor Tagen versucht, mit der Schule Kontakt aufzunehmen, aber leider ist die Schulärztin, die immer alles sehr unterstützend koordiniert nur über SMS erreichbar. Sie hat versucht, mich zu beruhigen und mir berichtet, dass sie schon Bescheid weiß. Sie gab mir die Info, dass schon überlegt wird, wie man Max helfen kann. Die LehrerInnen und die Direktorin stehen hinter Max. Wir sollen Ruhe bewahren. Wir bewahren immer Ruhe. Die Schulärztin bemüht sich sehr intensiv um Max, doch leider stößt auch sie manchmal an ihre Grenzen. Wer solche Erlebnisse nur aus Erzählungen kennt, kann sich wahrscheinlich nur ansatzweise in die Situation hineinfühlen, die wir gerade durchleben und die wir seit X Jahren durchmachen.
Es ist schrecklich. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich mir früher vermutlich auch oft viel zu vorschnell und unbedacht ein Urteil über Geschehenes gebildet habe. Die letzten Jahre haben mich sehr stark geprägt und ich versuche – auch in unvorstellbaren Situationen – neutral und sachlich zu bleiben. Ich möchte zuerst hinter die Kulissen blicken und mir ein Bild von der Situation machen. Natürlich bin ich auch nicht unfehlbar und es gelingt mir auch nicht immer.

Interaktion der Eltern

Interaktion der Eltern

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… kurzfristig dachte ich nur: Hört denn das nie auf? Bis vor ein paar Tagen fühlte sich Max in seiner neuen Klasse sehr wohl und war von allen Kindern – so schien es –akzeptiert. Die meisten PädagogInnen waren sehr bemüht und integrierten Max gut in die Klasse. Es war der erhoffte Neustart, der durch die Entscheidung für einen Interessensschwerpunkt automatisch nach der 2. Klasse erfolgte.

Nach vielen Telefonaten mit PädagogInnen und Eltern kam heraus, dass Geralds Eltern schon seit einigen Wochen versuchten, andere Eltern für sich zu gewinnen, um Max aus der Klasse zu bekommen. Gründe dafür gab es laut anderer Eltern nicht und es intervenieren auch genau nur drei Elternpaare gegen Max. Für David und mich war es sehr enttäuschend. Zum einen, dass Max das miterleben musste und hautnah mitbekam und zum anderen, dass die Eltern von Gerald uns höflich und verständnisvoll entgegentraten. Es breitete sich wie ein Waldbrand aus und plötzlich fingen auch Kinder an, gegen Max zu werben und sie beschwerten sich in der Gruppe bei der Direktorin über Max. Einige Kinder, die dem nicht auskamen, erzählten zuhause ganz schockiert, was gerade für ein Spiel gegen Max läuft. Es wurde nicht mehr hinter seinem Rücken ausgetragen. Es war offensiv von Eltern gesteuert. Die Direktorin hat zu Max´s Glück die Lage schon längst erkannt und griff ihm gemeinsam mit den PädagogInnen unter die Arme. Sie agierte sehr diplomatisch, mit dem Ziel, diese Vorgehensweise der Eltern zu unterbinden. Die Gründe, warum Max aus der Klasse gemobbt werden sollte, habe ich bis heute nicht herausgefunden. Ich kann die Gründe nur erahnen. Gemeinsam mit den Schulärztinnen und den PädagogInnen fanden viele Gespräche innerhalb weniger Tage statt und alle beteiligten Personen waren sich darüber einig, dass Max dringend geholfen werden musste …

courage

Courage

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… wohlgemerkt, sollte. Denn zu diesem Zeitpunkt reichte Max das einfach nicht mehr aus. Er strebte danach, die Situation aufgeklärt zu wissen. Dazu kam, dass sich die Ereignisse nahezu im Stundentakt überschlugen und mit der Zeit das ganze Ausmaß und die Tragweite dieser prekären Situation ans Licht kamen.

Als kleine Randbemerkung möchte ich an dieser Stelle der Vollständigkeit halber erwähnen, dass die beiden Schulärztinnen dabei eine tragende Rolle spielten. Frau Dr. Richter kennt Max bereits seit mehr als sieben Jahren, da ihr Sohn Paul ein Schulfreund von Max ist. Sie kannte sich anfänglich nur in Grundzügen und eher oberflächlich mit dem Asperger-Syndrom aus, – beschäftigte sich jedoch in den letzten Jahren intensiv mit der Thematik. Zu jedem Zeitpunkt unterstützt sie Max in herausfordernden Situationen. Sie ist eine ausgesprochen ruhige und diplomatische Person, die es versteht, Pädagogen, Fachkräfte und die Schulverwaltung zusammen zu halten.

Da Max ja auf die Klärung der Situation pochte und Paul, der Sohn von Frau Dr. Richter, die Situation miterlebte, hielt ich so oft es möglich war, mit der Schulärztin Rücksprache. Paul konnte die Vorkommnisse rasch aufklären, indem er die gleiche Version wie schon Max Freund Daniel erzählte. Max war unglaublich erleichtert und voller Tatendrang, als seine Freunde Daniel und Paul bestätigten, dass er sich zu keinem Zeitpunkt in der Nähe von Geralds Handy aufhielt.

Die Freude über diese Aufklärung währte jedoch nur kurz, da ich kurze Zeit später erfuhr, dass sich mehrere Eltern bei der Direktorin über Max beschwerten und ihm erneut ungerechtfertigte Anschuldigungen vorwarfen …

schule oder gerichtssaal

Schule oder Gerichtssaal?

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… Max´s Papa, der übrigens David heißt, telefonierte gestern noch lange mit Geralds Eltern. Um weitere Unannehmlichkeiten zu vermeiden, haben wir gemeinsam als Eltern entschieden, die Schuld auf uns zu nehmen. In der Früh erzählte ich auch Max von unserer Entscheidung, woraufhin er richtig laut und zornig wurde und sich mit den Worten verteidigte: „Ich nehme das so nicht hin“, schrie er mich an. „Ich werde heute alle Kinder befragen und mit Sicherheit nicht wieder schuldig gesprochen“, meinte Max verzweifelt. Max geht bei solchen Ereignissen immer sehr strategisch vor, und konnte durch seine akribische Detektivarbeit schon einmal seine gestohlenen Turnschuhe zurück holen.

Da ich wusste, dass Max die Schule gerne mit einem Gerichtssaal verwechselte, bat ich ihn, die Geschehnisse nur im Beisein einer Lehrperson aufzurollen. Dieser Hinweis war deshalb so wichtig, da Situationen wie diese das Potenzial zur Eskalation bargen.

Nach der Schule berichtete Max, dass er es mit seinem Klassenvorstand nicht aufrollen konnte, weil dieser der Meinung war (ohne die Tragweite, die wir zu diesem Zeitpunkt selbst noch nicht kannten, zu kennen), dass wir Eltern das untereinander regeln sollten. Daraufhin intervenierte Max bei der Direktorin, die den Bericht über den Sachverhalt aus unserer Sicht in schriftlicher Form für den nächsten Tag erwartete.

Hätte, weil ich Max doch noch von seinem Vorhaben es aufzuklären, abbringen konnte. Warum musste ich ihn davon überzeugen, aufzuhören seine Unschuld zu beweisen? War das richtig? Nein! Und das ist mir jetzt im Nachhinein bewusst, aber wir haben schon zu oft gegen Windmühlen angekämpft und unsere Energie dafür vergeudet, und führte in den überwiegenden Fällen nicht zum erwünschten Erfolg. Daher versuchten wir – sein Vater David, sein Bruder Simon und ich – nach Kräften, Überzeugungsarbeit zu leisten, dass wir ihm seine Version der Geschichte glaubten und er den Rest einfach hinnehmen und auf sich beruhen lassen sollte …

Der Smartphonevorfall

Der Smartphonevorfall…

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Heute hat mich der Vater eines Mitschülers angerufen und das Telefonat mit den Worten „Max hat …“ eingeleitet.
Mich überkam ein Gefühl der Verzweiflung, mein Herz pochte laut und schnell in meiner Brust und vor lauter Aufregung wurde ich kurzatmig und bekam kaum Luft. Obwohl mich das mittlerweile nicht mehr schockt, überkam mich kurzfristig ein Gefühl von Verzweiflung. Ich dachte mir insgeheim: „Tief durchatmen, alles wird gut.“ Nach einigen aufgeregten Schritten im Wohnzimmer hatte ich die Situation wieder im Griff. Ich konnte mich soweit beruhigen und klar denken, um Max Papa anzurufen. So griff ich zum Hörer, rief Max Papa an und erzählte ihm von den Geschehnissen. Max´s Papa reagierte gelassen. Ich berichtete, dass Max vorgeworfen wurde, dass er im Streit absichtlich auf die Schultasche eines Mitschülers gesprungen wäre und dabei sein kostbares Smartphone komplett zerstört hätte. Ohne noch mit Max gesprochen zu haben, war uns beiden klar, dass Max so etwas nicht ohne Grund machen würde und wir wispelten fast zeitgleich „nicht schon wieder eine neue Herausforderung“ ins Telefon. Ich nenne es bewusst Herausforderung und nicht Problem, denn ich weiß, dass wir an jeder neuen Herausforderung wachsen können und auch schon gewachsen sind.
Der erste Schritt einer solchen Situation verlangt einen klaren Kopf. Schnell wurde die Situation gescannt und die Daten und Fakten gefiltert. Wer war anwesend? Wer hat die Situation beobachtet? Und zu guter Letzt: Wie gehen wir weiter vor. In der Zwischenzeit kam Max von der Schule nach Hause und ich konnte der Situation fast emotionslos entgegenblicken. Früher hätte ich Max mit Vorwürfen konfrontiert. Unter extremer Spannung und ohne, dass Max die Möglichkeit hatte die Situation zu erklären, hätte ich ihm quasi schon die Schuld zugewiesen. Durch die Routine und Regelmäßigkeit dieser und ähnlicher Vorfälle, habe ich gelernt, das Geschehene relativ sachlich zu beleuchten. So kam es, dass ich Max wertneutral fragte, was er denn heute in der Schule erlebt hätte. Max antwortete cool, „nichts!“ Ich hakte nach, ob heute etwas anders war als sonst, Max gelassen: „Ja, ich habe eine 1-2 auf die mündliche Bio-Prüfung.“ „Super“, erwiderte ich. „Hattest du heute Streit in der Schule?“, wollte ich weiter wissen. Max meinte, nein. Ich fragte noch einmal detaillierter nach, ob er denn heute ein Problem mit Gerald und Paul hatte. Darauf meinte Max nur, „ja, wir haben um einen Platz in der Wanderklasse gerangelt, aber das war es schon“. Nach dieser Erzählung klärte ich Max über meinen und Papas Wissenstand auf. Daraufhin weinte Max bitterlich und schluchzte: „Warum soll immer ich die Schuld an allem auf mich nehmen?“ Max kann sich glücklich schätzen, dass er gute Freunde wie Daniel hat. Daniel hat sehr viel Verständnis für Max und akzeptiert, dass sich Max in manchen Situationen anders verhält. Max schilderte Daniel sofort am Telefon was ihm schon wieder vorgeworfen wurde. Daniel sprach Max Mut zu und schilderte die Situation aus seiner Sicht, die übrigens ident mit Max´s Sicht dargestellt war. Paul, ein beteiligter Bub, hat den Vorfall ebenfalls anders als Gerald wahrgenommen. Was wohl wirklich passierte, werden wir nicht erfahren, aber eines ist ganz klar: Die Unterstellung der Absicht trifft auf Max mit Sicherheit nicht zu.
Am Abend folgte noch ein klärendes Gespräch mit den Eltern von Gerald…

Unbeschwerte Zeiten…

By Allgemein

… diese unbeschwerten Zeiten kennen wir eigentlich nur mehr aus dem Kindergarten.In der Kindergartenzeit war das Leben sehr unbeschwert und leichtgängig. Max wurde als ein sehr begabtes Kind wahrgenommen und ist nur positiv aufgefallen. Max hatte viele Freunde, zumindest machte es den Anschein. An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass im Kindergartenalter Freundschaften noch nicht so ins Gewicht fielen und Nachmittagsbesuche bei anderen Kindern meistens durch uns Eltern geregelt wurden. Max ging sehr gerne in den Kindergarten. Ich freute mich täglich auf die Tür- und Angelgespräche mit seiner Kindergartenpädagogin, die mir stolz erzählte, dass Max so einiges gut konnte. Eine dieser Besonderheiten war, dass Max für sein Alter sehr aufmerksam und hilfsbereit im Umgang mit anderen Kindern war und auch in der Gruppe sehr gerne für Ordnung sorgte. Wenn man es nicht anders kennt, empfindet man vieles als normal. Mit meinem heutigen Wissen, kann ich sagen, dass vieles schon damals auffällig, aber noch keine spezielle Bedeutung beigemessen, war. Max hatte eine sehr gewählte Ausdrucksweise, die zwar der Unterhaltung der Erwachsenen diente, aber keinesfalls von einem kleinen Jungen zu erwarten war. So kam es, dass wir den Kindergarten immer mit einem Lächeln im Gesicht und einem sehr fröhlichen Gefühl verließen. Im Nachhinein betrachtet hatte Max auch sehr viel Glück, dass seine Kindergartenpädagogin immer auf ihn einging. Wenn er nicht zeichnen wollte, dann musste er auch nicht zeichnen. Sie akzeptierte, dass Max lieber in der Bauecke spielte und Bausteine sortierte. Vorteilhaft um sich gut anpassen zu können, war auch, dass Max seine täglichen Rituale, wie zum Beispiel einen geregelten Tagesablauf, im Kindergarten ausleben konnte. Rituale gaben – und geben ihm nach wie vor – ein Gefühl von Sicherheit.

Auch Max´s Kinderärztin erkannte schon sehr zeitig, dass Max ein besonderes Kleinkind war. In seiner frühkindlichen Entwicklung war Max den anderen Kindern immer weit voraus – vor allem was seine sprachlichen Fähigkeiten anbelangte. Dies zog mitunter aber auch Schwierigkeiten mit sich, wenn Mütter in Babygruppen oder Freundinnen mit gleichaltrigen Kindern die Entwicklung ihrer Kinder mit der von Max verglichen.

Obwohl es mich oft in der Mutterrolle sehr forderte, dass Max mit 9,5 Monaten schon ganz alleine ging und er sich bereits mit 1,5 Jahren weigerte, eine Windel zu tragen, muss ich zugeben, dass wir als Eltern extrem stolz auf Max Fähigkeiten waren. Aus heutiger Perspektive hätte ich allerdings lieber ein wenig länger auf jeden einzelnen Entwicklungsschritt gewartet und uns spätere Herausforderungen erspart …

Wer ist Max…

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… ich habe Max erzählt, dass die LeserInnen interessiert sind, wie er eigentlich aussieht. Daraufhin hat er sich in sein Zimmer gesetzt und sich selbst gemalt. Da Max nicht zeichnen kann, hat er dafür ein Computerprogramm benutzt. Auch das Schreiben fällt Max sehr schwer.

Trotzdem findet Max für jede Herausforderung eine Lösung. So verschwand Max nach der Aufforderung ein Bild zu malen in sein Zimmer und kam wenig später mit einem Ergebnis zu uns zurück. Max zeigte uns ein Bild mit einem dunkelhaarigen Jungen, der ein orangenes T-Shirt an hat. Auf dem T-Shirt blickt uns ein Löwenkopf entgegen. Das soll den LeserInnen zeigen, dass Max ein starker Junge und Kämpfer ist. Es ist sehr spannend zu sehen, was Max im Stande ist aus seiner eigenen Begeisterung zu bewerkstelligen. Würde Max ohne seinen Computer auf einem Zettel ein Bild malen, könnte er seine Emotionen nicht zu Papier bringen. Beim Schreiben ist es noch einmal schwieriger. Obwohl er sich sehr bemüht und in den letzten sieben Jahren schon sehr viel gelernt hat, bleibt es jedoch immer eine massive Beeinträchtigung für ihn und kostet ihn viel Kraft. Max meinte letzte Woche beim Arzt: „Wenn ich nicht schreiben müsste, wäre mein Leben um einiges leichter.“ Max kann sehr gut außerhalb der Konventionen denken, aber alles was in schriftlicher Form gefordert wird, bleibt meist eine Forderung…