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Die Verarbeitung

Die Verarbeitung

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… nach dem Erlebten brauchten Simon und ich etliche Stunden, um das Geschehene zu realisieren und Tage, um es zu verarbeiten. Max ging relativ rasch wieder zur Tagesordnung über und wollte nur noch wissen, weshalb es zu diesem Atem-Kreislauf-Stillstand kam. Der Mann kam nach meinen Wiederbelegungsversuchen wieder zu sich. Er war zwar bei Bewusstsein, konnte sich aber nicht orientieren. Als die Rettung den Patienten versorgte, kam zufällig sein behandelnder Arzt vorbei und konnte am EKG einen normalen Herzschlag feststellen. Die Hautfarbe des Mannes normalisierte sich ebenfalls und wechselte rasch von blau auf rot. Der Hund war in dieser Situation sein Lebensretter, da er Hilfe holte und auf sich aufmerksam machte. Nachdem ich meist über das Konfliktpotenzial und die besonderen Herausforderungen von Max‘ Autismus schreibe, möchte ich auch die positiven Seiten und Vorteile herausstreichen. Max hat in dieser Situation schnell und professionell reagiert und mich damit toll unterstützt.

Sehr erfreulich ist außerdem, dass wir zwei Monate später Besuch erhielten. Der ältere Herr besuchte uns mit seiner Frau und seinem Hund. Er erzählte uns, dass er im Krankenhaus eine neue Herzklappe bekam. Er war noch etwas schwach, aber sonst ging es ihm mittlerweile wieder gut.

Der Notruf

Der Notruf

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… der Tag des Abschieds nahte und an einem heißen Junitag fand die Übergabe des letzten Kätzchens statt. Die Nachbarin war auch dabei, als eine ehemalige Schulkollegin die Katze abholte. Ich sah Kathrin mit ihrer Tochter schon vom Küchenfenster kommen und bemerkte, dass sie mit einem Hund sprach. Ich schickte Max zur Türe um sie herein zu bitten. Vorerst hörte ich nur Schreie: „????, ein fremder Hund läuft gerade, …“ Max sah nach, rannte wie vom Blitz getroffen bei der Türe herein und brüllte: „Maaaaammmmmmmaaa! Hilfe! Da liegt ein alter Mann vor unserer Türe.“ Berufsbedingt wusste ich zwar sofort, was jetzt zu tun war, trotzdem war ich im ersten Moment überfordert. Einige Autofahrer blieben stehen und sammelten sich zu einer Traube. Sie waren starr vor Schreck und standen wie gelähmt vor unserem Zaun. Als ich mich zu dem Mann hinunter beugte, war er noch kurz bei Bewusstsein, bevor sich sein Zustand rapide verschlechterte und sich seine Haut blau verfärbte und die Atmung aussetzte. Nach einem kurzen Kreislaufcheck deutete alles auf einen Atem-Stillstand hin. Zeitgleich rief Max die Rettung an. Keiner der anwesenden erwachsenen Männer war in der Lage die Rettung zu rufen. Max reagiert in solchen Fällen deshalb so rasch, da er Situationen blitzschnell strategisch entschlüsseln kann. Deshalb wusste er auch hier genau, was zu tun war. Er wählte den Notruf und versorgte bis zum Eintreffen der Rettung die Leitstelle laufend mit Informationen. So gab er weiter: „Der Patient ist zyanotisch“, „Er hat Schnappatmung“, „Meine Mama kontrolliert gerade die Atmung“, „Sie beginnt jetzt mit der Reanimation“. Max war in der Situation so selbstbewusst, während ich ohne Hilfsmittel versuchte, den Mann wiederzubeleben. Ich weiß nicht, wie lange es dauerte, bis die Rettung eintraf und hatte wahnsinnige Angst, etwas falsch zu machen. Aber wir haben es geschafft! Ich wollte nie in eine solche Situation kommen. Ich war mit meinen Nerven völlig am Ende. Als die Rettung den Patienten übernahm und wir gemeinsam mit meiner Nachbarin und meiner Schulkollegin ins Haus gingen und darüber zu sprechen begannen, wurde mir nach und nach bewusst, was eigentlich gerade passiert war …

Unser Kater

Die Prognose

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… seit der Diagnose sind erneut einige Tage vergangen und David und ich konnten Max mit einiger Überzeugungsarbeit die Nierentransplantation erfolgreich ausreden.

An dieser Stelle möchte ich gerne erklären, dass David und ich uns bereits vor Jahren trennten, uns aber nach wie vor gut verstehen und in Erziehungsfragen immer an einem Strang ziehen.

Durch die liebevolle Betreuung des Katers Leo hat sich sein Gesundheitszustand endlich gebessert. Er frisst wieder und auch die Nierenwerte sind stabil. Fürs erste ist unser Leo also über den Berg. Die Prognose der Tierärztin lässt allerdings viele Fragen offen. Wie wird es weitergehen? Wie lange wird Leo noch leben? Sind es nur ein paar Monate oder doch noch einige Jahre. Wie es auch kommen wird, wir werden für ihn da sein …

courage

Die Tierärztin

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… seit der Aufnahme in der Tierklinik sind bereits einige Tage vergangen und unserem Leo geht es nach wie vor unverändert. Seine Nierenwerte verschlechterten sich trotz intensiver Behandlung. Bei der Untersuchung stellte sich heraus, dass dem Kater eine Niere fehlte und die zweite aufgrund einer starken Verkalkung nur sehr eingeschränkt arbeitete. Doppeltes Schicksal für unseren Kater. Die Tierärztin machte uns zwar wenig Hoffnung, trotzdem klammerten wir uns an jeden Strohhalm. In solchen Situationen muss ich meine Aufmerksamkeit ganz bewusst auf meinen kleineren Sohn Simon lenken, da Max sonst die gesamte Aufmerksamkeit für sich vereinnahmt. Während Simon dicke Tränen über die Wange kullerten und er leise litt, vertiefte sich Max sogleich in eine hitzige Diskussion mit der Tierärztin. Sie nahm sich lange für die fachliche Absprache Zeit und war von Max‘ Wissen schwer beeindruckt. Zuhause angekommen schnappte sich Max seine medizinische Fachliteratur und analysierte anhand der menschlichen Physiologie Mittel und Wege, seinen Kater Leo zu heilen. Max beschäftigte sich mit der Nierentransplantation bei Katzen und fand bei seiner Recherche heraus, dass es amerikanischen Tierärzten gelang, die Nieren einer deutschen Katze erfolgreich zu transplantieren. Währenddessen trauerte Simon leise …

Unser Kater

Unser Kater

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Es passiert so viel in Max‘ Leben und schon wieder kämpfen wir mit einer Ausnahmesituation.

Unser Kater Leo ist sechs Jahre alt und trotz seines geringen Alters sehr schwer erkrankt. Soeben wurde er zur stationären Behandlung und weiteren Versorgung der Tierärztin aufgenommen. Bei akutem Nierenversagen müssen seine Nieren gespült werden. Die genaue Ursache ist noch unbekannt genauso wie die Behandlungs-möglichkeiten. Jetzt heißt es abwarten. Natürlich sind wir alle sehr mitgenommen, aber Max reagiert auf solche Schicksalsschläge anders. Für ihn ist es nicht nachvollziehbar, wieso eine eindeutige Diagnose und lebensrettende Therapie fehlt und nicht sofort begonnen wird…

Die Veranstaltung

Die Veranstaltung

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… was soll ich über diesen Abend sagen? Das Feeling auf dieser Veranstaltung war für mich und Max einfach nur grauenhaft. Und noch dazu von mir verursacht. Wenn ich daran zurückdenke, dann bin ich daran schuld, wie dieser Abend verlaufen ist. Natürlich ist es den anderen nicht aufgefallen. Ich stand jedoch den ganzen Abend unter Hochspannung und habe diese Spannung an Max weitergegeben und bei ihm entladen und ihn selbst unter Strom gesetzt. Max versuchte alles richtig zu machen. Doch der starke Druck, den ich auf ihn projizierte, betonte und verstärkte gerade die Eigenschaften, die mich störten. Er war so unsicher und kaum wiederzuerkennen. Bei Unsicherheit flüchten Autisten wie Max in ihre eigene Welt und lassen ihren Zwängen und Ticks freien Lauf. Diese Zwänge helfen Max seine Ängste zu kontrollieren. So ergab es sich an diesem Veranstaltungsabend, dass Max bei der Ansprache unruhig auf seinem Sessel rutschte und sich mehrmals in der Minute räusperte. Das sind zwei seiner Zwänge, über die er klarerweise keine Kontrolle hat und nicht steuern kann. Nach intensiver Reflexion durch vorherige Situationen, sollte ich es eigentlich besser wissen, was Max einerseits aus seinem gewohnten bzw. angelernten Konzept bringt und was ihn andererseits in solchen Situationen unterstützt. Ich muss zugeben, dass mir diese Anfängerfehler selbst passieren, wenn ich aufgeregt bin. So wie auch bei diesem Termin. Bestimmt wäre der Abend besser verlaufen, wenn ich Max in seinem Sein unterstützt, ihn positiv bestärkt und ihm ein Gefühl von Sicherheit vermittelt hätte. Dann wäre uns beiden der Umgang mit der angespannten Situation leichter gefallen.

Kein „Erziehungsfehler“…

Was ist normal?

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Nachdem ich in einem früheren Beitrag meinte, dass ich ungerne den Begriff „normal“ verwende, wenn ich über andere Kinder in Max Umfeld spreche. Was ist normal? Ich habe Max gefragt, was er unter normal versteht. Er kann stundenlang über solche Fragen referieren. Als Resümee seiner Definitionserklärung stellt er immer dar, dass es „normal“ nicht gibt. Die Mehrheit kann man als normal bezeichnen, während alles andere als abnormal bzw. anders definiert wird. Und er fragt außerdem: Wem steht es eigentlich zu, zu entscheiden, wer oder was „normal“ ist? Durch Max´s großen Ehrgeiz keine Schwierigkeiten zu haben, hat er schon viel gelernt und verhält sich extrem angepasst. Manches wird Max aber auch nie lernen können. Damit kann er sich soweit gut arrangieren. Für mich als Mama wäre es wünschenswert, wenn es die Gesellschaft zulassen könnte, dass Max ein wenig mehr seiner Persönlichkeit leben könnte. Manchmal muss ich auch noch lernen Max so zu akzeptieren wie er ist. In den meisten Situationen gelingt mir das sehr gut, aber wenn es um das Thema Essen geht, merke ich wie schwierig es manchmal für mich ist, Max nicht ständig zu ermahnen. Ich erwische mich, wie ich fast täglich von Max verlange, dass er versuchen soll schöner zu essen. Er bemüht sich auch wirklich sehr. Je öfter ich ihn ermahne, desto mehr steht er unter Druck und das Essen fällt ihm immer schwerer. Vor einiger Zeit war ich zu einer sehr wichtigen Abendveranstaltung eingeladen. Mangels Babysitter begleitete mich Max zu diesem Termin. In meiner Vorstellung sollte er sich dort „normal“ und „richtig“ verhalten. Dazu habe ich ihm ein selbstgeschriebenes, aufwändiges Drehbuch angefertigt, welche Ticks und Marotten er dort zu unterlassen hätte…

wer ist simon

Wer ist Simon…

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… Max liest jeden Eintrag gespannt mit und erklärte mir gestern, dass die Leser nicht nur wissen wollen wie er aussieht, sondern auch wie sein kleiner Bruder Simon aussieht. Deshalb malte er wieder ein schönes Bild in seinem Grafikprogramm. An dieser Stelle möchte ich noch erwähnen, dass alle gemalten Bilder von Max stammen. Auf dem aktuellen Bild erkennt man einen kleinen blonden Jungen, der ein grünes T-Shirt mit einem Pinguin trägt. Ich finde die Zeichnung nicht nur deshalb so großartig, weil fast jedes Detail eine besondere Bedeutung hat, sondern auch weil Max obwohl er nicht zeichnen kann eine Lösung findet, seine Schwäche auszugleichen. Max erklärte uns aufgeregt, was sein Bild über Simon auszusagen hat. Es beginnt schon beim grünen T-Shirt. Grün ist nämlich Simons Lieblingsfarbe. Der Pinguin erzählt zum einen, dass Simon sehr gesellig ist und zum anderen ständig unter kalten Füßen leidet. Beide Eigenschaften treffen auf Pinguine zu…

Kein „Erziehungsfehler“…

Kein „Erziehungsfehler“…

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…aus so einem banalen Missverständnis entsteht ganz leicht ein großes Spannungsfeld zwischen Max und den PädagogInnen. Für mich persönlich nicht nur ein Missverständnis, sondern auch gleichzeitig eine Anschuldigung, dass mein Ex-Mann und ich in der Erziehung versagt hätten. Mich quälte dieses Gefühl viele Jahre lang, bis ich begann, mir diese unausgesprochenen und unerträglichen Vorverurteilungen nicht mehr so stark zu Herzen zu nehmen. Nicht nur ein Mal war ich froh, in Simon einen zweiten Sohn zu haben, der mit seiner „Normalität“ der Welt beweisen konnte, dass ich mir keine Vorwürfe in der Erziehung machen und gefallen lassen muss. Mit Simon könnte ich jedem zeigen: „Seht ihr, ich kann das sehr wohl. Es liegt nicht an mir.“, „Schaut nur, wie toll Simon ist.“. Aber mir ist durchaus bewusst, dass es nicht Aufgabe von Simon sein kann, ihn auf den Präsentierteller zu heben. Diesen Wunsch habe ich daher unterdrückt. Natürlich bedeutete es für mich eine große Erleichterung, als die Volksschullehrerinnen bemerkten, dass Max Verhalten nicht mit einer mangelnden Erziehung zusammenhing. Der um drei Jahre jünger Bruder Simon trat in der Volksschule den Beweis an.

Mehrdeutige Sprache

Mehrdeutige Sprache

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… unsere Physikprofessorin ist ein positives und erbauliches Beispiel, Max im Unterricht gut einzubinden. Aber wo Sonne ist, gibt es auch Schatten. In Geografie hatte Max eine sehr strenge Professorin. Trotz intensiver Bemühungen, in Gesprächen mit ihren Kollegen, der Schulärztin, sowie der Direktorin Verständnis für Max zu schaffen, kam sie mit seinem Verhalten einfach nicht wirklich klar. In einer Geografiestunde verfolgte Max sehr gespannt den Unterricht. Andere Kinder waren weniger interessiert und unterhielten sich mit den Sitznachbarn, bis der Lehrerin der Geduldsfaden riss und sie in die Klasse rief: „Seid jetzt bitte wieder ruhig und dreht euch um.“ Max befolgte ihre Anweisung prompt, nahm seinen Sessel und wandte sich von der Tafel ab. Sowohl für die erstaunte Pädagogin als auch für die Mitschüler eine völlig unverständliche Reaktion. Jedes „normale“ Kind – ich mag diesen Begriff zwar nicht und werde später darauf eingehen – würde diese Aufforderung „richtig“ verstehen. Warum Max nicht? Max, sowie andere Autisten übrigens, kann nicht zwischen den Zeilen lesen und damit die Zwei- bzw. Mehrdeutigkeit der Sprache erkennen. Das führt zwangsläufig zu Missverständnissen und Kommunikationsschwierigkeiten. Zurück in die Geografiestunde: Max fühlte sich angesprochen und verstand nicht, dass es gar nicht um ihn ging. Es kam, wie es kommen musste, denn die Professorin fühlte sich von Max provoziert und drohte ihm, dass er sich bei der Direktorin melden müsste, wenn er nicht sofort mit dem Unsinn aufhörte. Max beschäftigte sich noch am Abend über die Vorkommnisse und grübelte, was eigentlich das Problem war, der er aus seiner Sicht alles machte, was die Professorin verlangte. Ich erklärte ihm ausführlich, wie diese Situation zustande kam und schön langsam konnte er es mit seinem Verstand auflösen. Für mich war es besonders schwierig, die – für mich sonnenklare – Zweideutigkeit für Max greifbar zu machen. Manchmal fällt es mir selbst schwer, so klar und eindeutig mit Max zu kommunizieren, damit es zu keinen Unklarheiten kommt. Da muss ich mich selbst an der Nase nehmen …