6. Der Smartphonevorfall…

By 23. Januar 2016Allgemein

Heute hat mich der Vater eines Mitschülers angerufen und das Telefonat mit den Worten „Max hat …“ eingeleitet.
Mich überkam ein Gefühl der Verzweiflung, mein Herz pochte laut und schnell in meiner Brust und vor lauter Aufregung wurde ich kurzatmig und bekam kaum Luft. Obwohl mich das mittlerweile nicht mehr schockt, überkam mich kurzfristig ein Gefühl von Verzweiflung. Ich dachte mir insgeheim: „Tief durchatmen, alles wird gut.“ Nach einigen aufgeregten Schritten im Wohnzimmer hatte ich die Situation wieder im Griff. Ich konnte mich soweit beruhigen und klar denken, um Max Papa anzurufen. So griff ich zum Hörer, rief Max Papa an und erzählte ihm von den Geschehnissen. Max´s Papa reagierte gelassen. Ich berichtete, dass Max vorgeworfen wurde, dass er im Streit absichtlich auf die Schultasche eines Mitschülers gesprungen wäre und dabei sein kostbares Smartphone komplett zerstört hätte. Ohne noch mit Max gesprochen zu haben, war uns beiden klar, dass Max so etwas nicht ohne Grund machen würde und wir wispelten fast zeitgleich „nicht schon wieder eine neue Herausforderung“ ins Telefon. Ich nenne es bewusst Herausforderung und nicht Problem, denn ich weiß, dass wir an jeder neuen Herausforderung wachsen können und auch schon gewachsen sind.
Der erste Schritt einer solchen Situation verlangt einen klaren Kopf. Schnell wurde die Situation gescannt und die Daten und Fakten gefiltert. Wer war anwesend? Wer hat die Situation beobachtet? Und zu guter Letzt: Wie gehen wir weiter vor. In der Zwischenzeit kam Max von der Schule nach Hause und ich konnte der Situation fast emotionslos entgegenblicken. Früher hätte ich Max mit Vorwürfen konfrontiert. Unter extremer Spannung und ohne, dass Max die Möglichkeit hatte die Situation zu erklären, hätte ich ihm quasi schon die Schuld zugewiesen. Durch die Routine und Regelmäßigkeit dieser und ähnlicher Vorfälle, habe ich gelernt, das Geschehene relativ sachlich zu beleuchten. So kam es, dass ich Max wertneutral fragte, was er denn heute in der Schule erlebt hätte. Max antwortete cool, „nichts!“ Ich hakte nach, ob heute etwas anders war als sonst, Max gelassen: „Ja, ich habe eine 1-2 auf die mündliche Bio-Prüfung.“ „Super“, erwiderte ich. „Hattest du heute Streit in der Schule?“, wollte ich weiter wissen. Max meinte, nein. Ich fragte noch einmal detaillierter nach, ob er denn heute ein Problem mit Gerald und Paul hatte. Darauf meinte Max nur, „ja, wir haben um einen Platz in der Wanderklasse gerangelt, aber das war es schon“. Nach dieser Erzählung klärte ich Max über meinen und Papas Wissenstand auf. Daraufhin weinte Max bitterlich und schluchzte: „Warum soll immer ich die Schuld an allem auf mich nehmen?“ Max kann sich glücklich schätzen, dass er gute Freunde wie Daniel hat. Daniel hat sehr viel Verständnis für Max und akzeptiert, dass sich Max in manchen Situationen anders verhält. Max schilderte Daniel sofort am Telefon was ihm schon wieder vorgeworfen wurde. Daniel sprach Max Mut zu und schilderte die Situation aus seiner Sicht, die übrigens ident mit Max´s Sicht dargestellt war. Paul, ein beteiligter Bub, hat den Vorfall ebenfalls anders als Gerald wahrgenommen. Was wohl wirklich passierte, werden wir nicht erfahren, aber eines ist ganz klar: Die Unterstellung der Absicht trifft auf Max mit Sicherheit nicht zu.
Am Abend folgte noch ein klärendes Gespräch mit den Eltern von Gerald…

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