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Mai 2016

23. Wer ist Simon…

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… Max liest jeden Eintrag gespannt mit und erklärte mir gestern, dass die Leser nicht nur wissen wollen wie er aussieht, sondern auch wie sein kleiner Bruder Simon aussieht. Deshalb malte er wieder ein schönes Bild in seinem Grafikprogramm. An dieser Stelle möchte ich noch erwähnen, dass alle gemalten Bilder von Max stammen. Auf dem aktuellen Bild erkennt man einen kleinen blonden Jungen, der ein grünes T-Shirt mit einem Pinguin trägt. Ich finde die Zeichnung nicht nur deshalb so großartig, weil fast jedes Detail eine besondere Bedeutung hat, sondern auch weil Max obwohl er nicht zeichnen kann eine Lösung findet, seine Schwäche auszugleichen. Max erklärte uns aufgeregt, was sein Bild über Simon auszusagen hat. Es beginnt schon beim grünen T-Shirt. Grün ist nämlich Simons Lieblingsfarbe. Der Pinguin erzählt zum einen, dass Simon sehr gesellig ist und zum anderen ständig unter kalten Füßen leidet. Beide Eigenschaften treffen auf Pinguine zu…

22. Kein „Erziehungsfehler“…

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…aus so einem banalen Missverständnis entsteht ganz leicht ein großes Spannungsfeld zwischen Max und den PädagogInnen. Für mich persönlich nicht nur ein Missverständnis, sondern auch gleichzeitig eine Anschuldigung, dass mein Ex-Mann und ich in der Erziehung versagt hätten. Mich quälte dieses Gefühl viele Jahre lang, bis ich begann, mir diese unausgesprochenen und unerträglichen Vorverurteilungen nicht mehr so stark zu Herzen zu nehmen. Nicht nur ein Mal war ich froh, in Simon einen zweiten Sohn zu haben, der mit seiner „Normalität“ der Welt beweisen konnte, dass ich mir keine Vorwürfe in der Erziehung machen und gefallen lassen muss. Mit Simon könnte ich jedem zeigen: „Seht ihr, ich kann das sehr wohl. Es liegt nicht an mir.“, „Schaut nur, wie toll Simon ist.“. Aber mir ist durchaus bewusst, dass es nicht Aufgabe von Simon sein kann, ihn auf den Präsentierteller zu heben. Diesen Wunsch habe ich daher unterdrückt. Natürlich bedeutete es für mich eine große Erleichterung, als die Volksschullehrerinnen bemerkten, dass Max Verhalten nicht mit einer mangelnden Erziehung zusammenhing. Der um drei Jahre jünger Bruder Simon trat in der Volksschule den Beweis an.

21. Mehrdeutige Sprache

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… unsere Physikprofessorin ist ein positives und erbauliches Beispiel, Max im Unterricht gut einzubinden. Aber wo Sonne ist, gibt es auch Schatten. In Geografie hatte Max eine sehr strenge Professorin. Trotz intensiver Bemühungen, in Gesprächen mit ihren Kollegen, der Schulärztin, sowie der Direktorin Verständnis für Max zu schaffen, kam sie mit seinem Verhalten einfach nicht wirklich klar. In einer Geografiestunde verfolgte Max sehr gespannt den Unterricht. Andere Kinder waren weniger interessiert und unterhielten sich mit den Sitznachbarn, bis der Lehrerin der Geduldsfaden riss und sie in die Klasse rief: „Seid jetzt bitte wieder ruhig und dreht euch um.“ Max befolgte ihre Anweisung prompt, nahm seinen Sessel und wandte sich von der Tafel ab. Sowohl für die erstaunte Pädagogin als auch für die Mitschüler eine völlig unverständliche Reaktion. Jedes „normale“ Kind – ich mag diesen Begriff zwar nicht und werde später darauf eingehen – würde diese Aufforderung „richtig“ verstehen. Warum Max nicht? Max, sowie andere Autisten übrigens, kann nicht zwischen den Zeilen lesen und damit die Zwei- bzw. Mehrdeutigkeit der Sprache erkennen. Das führt zwangsläufig zu Missverständnissen und Kommunikationsschwierigkeiten. Zurück in die Geografiestunde: Max fühlte sich angesprochen und verstand nicht, dass es gar nicht um ihn ging. Es kam, wie es kommen musste, denn die Professorin fühlte sich von Max provoziert und drohte ihm, dass er sich bei der Direktorin melden müsste, wenn er nicht sofort mit dem Unsinn aufhörte. Max beschäftigte sich noch am Abend über die Vorkommnisse und grübelte, was eigentlich das Problem war, der er aus seiner Sicht alles machte, was die Professorin verlangte. Ich erklärte ihm ausführlich, wie diese Situation zustande kam und schön langsam konnte er es mit seinem Verstand auflösen. Für mich war es besonders schwierig, die – für mich sonnenklare – Zweideutigkeit für Max greifbar zu machen. Manchmal fällt es mir selbst schwer, so klar und eindeutig mit Max zu kommunizieren, damit es zu keinen Unklarheiten kommt. Da muss ich mich selbst an der Nase nehmen …