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Februar 2016

Baustellenservice

Baustellenservice

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… mir ist es bereits mehrmals gelungen, das Ruder noch rechtzeitig herumzureißen und Eltern – meist Mütter – aus Simons Klasse, zum Nachdenken anzuregen. Die Beispiele von Max und Felix zeigen, wie leicht man von anderen in eine Schublade gesteckt wird. Wer das einmal selbst erlebt hat, wünscht das niemand anderem. Ich würde mir selbst etwas vormachen, wenn ich behaupten würde, dass mir das immer gelingt. Mit der Routine und dem Umgang mit immer wieder neuen Herausforderungen habe ich gelernt, anders damit umzugehen. Ich versuche auch, dass meine Kinder ein offenes Herz für andere Menschen bekommen.

Nach kurzer Anteilnahme und Bemitleidung durch Freunde und Bekannte, steht man schnell wieder alleine vor dem Scherbenhaufen.

Ich würde mir wünschen, dass ich für andere vom Asperger-Autismus betroffene Eltern ein kleines Bauunternehmen gründen kann, um sie dabei zu unterstützen, ihre Baustellen zu koordinieren. Aber ich weiß nicht, ob mir das gelingt …

Aufziehende Gewitterwolken…

Der kleine Bruder

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… hinter die Kulissen blicke ich zum Beispiel in Simons Klasse. Max Bruder Simon, der ganz „normal“ zu sein scheint, hat in seiner Klasse ein Kind, das ähnliche Schwierigkeiten wie Max hat. Simon selbst hat behauptet, dass dieser Junge, sein Name ist Felix,, auch ein Asperger-Autist sein könnte. Auf der einen Seite hörte ich ihm natürlich aufmerksam zu und erklärte ihm anschließend aber, dass ihm diese Beurteilung nicht zustünde und er das nicht so einfach behaupten darf, da es andere verstören oder erschrecken könnte. Auf der anderen Seite muss ich Simon wiederum in Schutz nehmen, da er etliche Autisten kennt und durch Max bereits viel mit-erlebt hat, was das Spektrum an Abweichungen zur Normalität betrifft. Simon hat keine Berührungsängste und durch Max Kontakt zu vielen Autisten. Er macht das auch sehr gut und unterstützt diese betroffenen Kinder sehr und hat nicht nur durch seinen Bruder Max gelernt, dass er auch einmal zurücksteckt. Simon hat keinerlei Berührungsängste und ist im Umgang mit seinem Bruder Max und anderen betroffenen beziehungsweise autistischen Kindern sehr feinfühlig und rücksichtsvoll. Er hat gelernt, dass es in manchen Situationen besser ist, einfach einmal zurückzustecken. Und genauso feinfühlig verhält er sich auch in seiner Klasse und hat durch seine Erfahrung schnell erkannt, dass Felix Hilfe benötigt.

Felix und Simon besuchen die 4. Klasse Volksschule. Mit einem Lehrerwechsel zu Schulbeginn wurden die Schwierigkeiten für Felix immer schlimmer. Felix ist ein sehr intelligentes Kind. Veränderungen bedeuten für ihn eine große Herausforderung. Und eine neue Lehrerin bedeutet natürlich Veränderung. Aber nicht nur, dass die neue Lehrerin den Unterricht anders gestaltet, kommen in dieser Klasse erstmals Schularbeiten und Noten im Zeugnis. Viele Veränderungen, große Herausforderungen …

Wer dieses Ausmaß nicht erkennt, und sich nicht die Mühe macht hinter besagte Kulissen zu blicken, beschwert sich schnell einmal über das „schlimme Kind“, das impulsiv ist und unerklärte Wutausbrüche hat. Ich habe in letzter Zeit öfters mitbekommen, dass sich Eltern über Felix beklagen. Das kommt mir natürlich sehr bekannt vor. Felix kommt aus einer intakten Familie und hat sehr liebe und bemühte Eltern. Trotzdem braucht er genauso wie Max Unterstützung. Unterstützung, die er jetzt noch nicht erhält. Aber hoffentlich bald!

Ich werde hellhörig und gebe ungefragt meinen Senf dazu, sobald ich mitbekomme, dass sich Eltern über Felix beschweren und schlecht über ihn sprechen. Hier gelingt mir das sehr leicht, da Simon in seiner Klasse sehr beliebt ist und viele Freunde hat. Die wenigsten können sich vorstellen, dass die Probleme mit seinem Bruder Max genau die selben sind wie die mit Felix.

Ein Blick hinter die Kulissen

Ein Blick hinter die Kulissen

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Wir haben bei der letzten Eskalation wegen des Handys leider noch immer nicht die Talsohle erreicht. Täglich kommen weiter brisante Details dazu und es werden immer mehr Kinder und Eltern, die sich über Max beschweren.
Natürlich habe ich schon vor Tagen versucht, mit der Schule Kontakt aufzunehmen, aber leider ist die Schulärztin, die immer alles sehr unterstützend koordiniert nur über SMS erreichbar. Sie hat versucht, mich zu beruhigen und mir berichtet, dass sie schon Bescheid weiß. Sie gab mir die Info, dass schon überlegt wird, wie man Max helfen kann. Die LehrerInnen und die Direktorin stehen hinter Max. Wir sollen Ruhe bewahren. Wir bewahren immer Ruhe. Die Schulärztin bemüht sich sehr intensiv um Max, doch leider stößt auch sie manchmal an ihre Grenzen. Wer solche Erlebnisse nur aus Erzählungen kennt, kann sich wahrscheinlich nur ansatzweise in die Situation hineinfühlen, die wir gerade durchleben und die wir seit X Jahren durchmachen.
Es ist schrecklich. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich mir früher vermutlich auch oft viel zu vorschnell und unbedacht ein Urteil über Geschehenes gebildet habe. Die letzten Jahre haben mich sehr stark geprägt und ich versuche – auch in unvorstellbaren Situationen – neutral und sachlich zu bleiben. Ich möchte zuerst hinter die Kulissen blicken und mir ein Bild von der Situation machen. Natürlich bin ich auch nicht unfehlbar und es gelingt mir auch nicht immer.

Interaktion der Eltern

Interaktion der Eltern

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… kurzfristig dachte ich nur: Hört denn das nie auf? Bis vor ein paar Tagen fühlte sich Max in seiner neuen Klasse sehr wohl und war von allen Kindern – so schien es –akzeptiert. Die meisten PädagogInnen waren sehr bemüht und integrierten Max gut in die Klasse. Es war der erhoffte Neustart, der durch die Entscheidung für einen Interessensschwerpunkt automatisch nach der 2. Klasse erfolgte.

Nach vielen Telefonaten mit PädagogInnen und Eltern kam heraus, dass Geralds Eltern schon seit einigen Wochen versuchten, andere Eltern für sich zu gewinnen, um Max aus der Klasse zu bekommen. Gründe dafür gab es laut anderer Eltern nicht und es intervenieren auch genau nur drei Elternpaare gegen Max. Für David und mich war es sehr enttäuschend. Zum einen, dass Max das miterleben musste und hautnah mitbekam und zum anderen, dass die Eltern von Gerald uns höflich und verständnisvoll entgegentraten. Es breitete sich wie ein Waldbrand aus und plötzlich fingen auch Kinder an, gegen Max zu werben und sie beschwerten sich in der Gruppe bei der Direktorin über Max. Einige Kinder, die dem nicht auskamen, erzählten zuhause ganz schockiert, was gerade für ein Spiel gegen Max läuft. Es wurde nicht mehr hinter seinem Rücken ausgetragen. Es war offensiv von Eltern gesteuert. Die Direktorin hat zu Max´s Glück die Lage schon längst erkannt und griff ihm gemeinsam mit den PädagogInnen unter die Arme. Sie agierte sehr diplomatisch, mit dem Ziel, diese Vorgehensweise der Eltern zu unterbinden. Die Gründe, warum Max aus der Klasse gemobbt werden sollte, habe ich bis heute nicht herausgefunden. Ich kann die Gründe nur erahnen. Gemeinsam mit den Schulärztinnen und den PädagogInnen fanden viele Gespräche innerhalb weniger Tage statt und alle beteiligten Personen waren sich darüber einig, dass Max dringend geholfen werden musste …