15. Der Computer

By 12. März 2016Allgemein

Heute ist im wahrsten Sinne des Wortes ein grauer Tag. Obwohl es durch den Klassenwechsel im neuen Schuljahr einfacher für Max wurde, braute sich in den vergangenen Tagen wieder etwas zusammen, das die Situation aus dem Ruder laufen ließ. Etliche Kinder haben sich innerhalb kurzer Zeit gegen Max gestellt. Was alles hinter unserem Rücken passiert, weiß ich gar nicht im Detail. Ich weiß nur, dass sich wieder Eltern über Max beschwerten.
Max kann nicht schreiben und darf deswegen einen Computer verwenden. Für viele Eltern stellt das ein Problem dar. Dadurch entstehen wiederum vorschnell vermeidbare Gerüchte und Vorurteile, weil viele Eltern gar nicht erst nachfragen, warum Max eigentlich einen Computer im Unterricht verwenden „darf“.
Das entsteht dadurch, dass die Eltern nicht wissen, dass Max anders ist und so entsteht schnell, sehr schnell ein Vorurteil. Seine Beeinträchtigung sieht man Max von außen nicht an – und trotzdem ist sie da.
Mit jahrelanger Übung und durch seine hohe kognitive Leistung hat er es geschafft, seine Defizite gekonnt zu kaschieren. All das, was Max mühevoll erarbeitet hat, wird immer wieder durch Abwertungen seiner Umwelt zurückgesetzt. Ich mache niemandem einen Vorwurf, im Gegenteil, ich verstehe, dass man sich von einem „normal aussehenden Kind“ auch ein „normales Verhalten“ wünscht bzw. erwartet. Ein blinder Mensch bekommt eine Sehhilfe, ein immobiler Mensch bekommt einen Rollstuhl und es wird alles daran gesetzt, eine barrierefreie und rollstuhlgerechte Umgebung zu schaffen. Das finde ich auch spitze, aber für einen Autisten wird noch sehr wenig gemacht. Leider wird eine nicht sichtbare Behinderung in vielen Fällen weder erkannt noch ernst genommen.

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